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Die Ersten Schritte der Germanischen Kunst - Der Nydam Stil

  • Autorenbild: Aurona Skadi
    Aurona Skadi
  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Wir befinden uns an der Wende vom 4. zum 5. Jahrhundert, das weströmische Reich zerfällt, Grenzen verschwimmen und eröffnen der germanischen und römischen Bevölkerung neue Möglichkeiten zum Austausch. Wärend die germanischen Stämmen zuvor nicht wirklich an römischem Kunsthandwerk, oder bildlicher Kunst im Allgemeinen, interessiert waren - kommt es jetzt, im Zuge der politischen Veränderungen, zu einer wirklichen Kunstentfaltung seitens der Germanen. 



Diese neugefundene Leidenschaft für Kunst, breitet sich jedoch nicht gleichmäßig aus. Stattdessen sind vielmehr Schwerpunkgebiete im Südosten und im Norden des germanischen Raumes erkennbar. Letzeres ist eine Region die von den Römern nie erreicht wurde, in der jedoch die kontinentalen Sachsen an der Nordseeküste den neuen Trend aufnahmen und von wo aus er sich weiter nach Skandinavien ausbreitete, wo die Völkerwanderungszeitliche Kunst ihren Höhepunkt finden sollte.

Mit dem Zusammenbruch der römischen Verteidigung, nahmen die Überfälle und Plünderungen durch germanische Seefahrer zu.

Diese brachten dabei nicht nur kunstvolle Schmuckstücke und Edelmetalle mit in die Heimat, sondern auch ganze Werkstätten, inklusive den Handwerkern die dort arbeiteten. Diese hatten zuvor bronzene Ausrüstungsgegenstände für römische Truppen gefertigt, wie Gürtelteile, Schwertscheiden und sonstige Beschläge. Hier wurde zu der Zeit, wie im spätrömischen Stil üblich, Bronze mit Kerbschnitt verziert.


Beschläge werden so mit geometrischen und floralen Mustern verziert, wie z.B. Spiralranken1, Palmetten4, Astragalmustern2 und Zungenmustern3. Tiere werden in diesen Stücken üblicherweise am Rand plaziert und sind statt im Kerbschnitt, als Reliefs gearbeitet. Besonders beliebte Tiere sind hier fantastische See-Wesen, die sich S fömig winden, mit Vögel-, Löwen- oder Dephinköpfen. Zudem kommen aber auch Vierbeinige Tiere vor, die meißt kauernd dargestellt sind, sowie Vögel tauchen auf. Auch menschliche Köpfe finden sich immer wieder, überwiegend in Frontalansicht, gelegentlich aber auch im Profil. 



All dies sind Eigenschaften die sich auch in den bald aufkommenden Fibeln finden lassen, welche in der folgenden Zeit in Skandinavien entstehen - möglicherweise gefertigt von verschleppten oder migrierten römischen Handwerkern. 


Eigenschaften des Nydam Stil


Der Nydam-Stil verdankt seinen Namen einem beachtlichen Fund an Opfergaben, welche ihrerzeit im Nydam-Moor niedergelegt wurden.


1888 wurden hier, neben dem zuvor entdeckten Nydam-Boot, diverse Silber- beschläge gefunden. Diese wurden aufgrund ihrer Ornamentik als eigene Stilstufe anerkannt, die sich auch in anderen Funden wiederfindet.

Charakteristisch für den Nydam-Stil ist, dass wie bei seinen römischen Vorbildern, viel die Kerbschnitt-Technik1 angewendet wird.

Mit der auch die bereits bekannten Muster ausgearbeitet werden. 


Zur Verzierung von Flächen oder Tierkörpern, wird gerne Punzierung und Niello2 verwendet.

So findet man häufig Kreisaugen3, Halbkreise4, Rautenmuster5 und Dreieckpunzen, als dekorative Elemente oder zur Andeutung von Augen, Federn oder Schuppen.



Tier- und Menschenmotive sind im Nydam Stil üblicherweise als rundplasisches Relief zu finden. Diese sind stets alleinstehend und nicht weiter mit den Ornamenten verbunden.  

Folgende Motive kommen hier vor:


Seewesen6 - Es lassen sich verschliedene, auch 

fantastische Seetiere finden, wie Seegreifen, 

Hippokampen oder Seelöwen. Am ehesten 

sieht man aber Dephine, was sich vermutlich 

auf eine Darstellung der 

Gottheit Okeanos zurück-

führen lässt, der von zwei 

Delphinen flankiert wird und 

z.B. auf der Fibel von Lunde abgebildet ist.


Vögel7, 8 -  Insgesamt spielen Vögel in diesem Stil keine markante Rolle, auf dem Nydam Ortband sind sie jedoch gleich mehrfach zu finden. Zum einen im Ganzen, unterhalb der Menschenköpfe, sowie als Teil der Doppeltiere, wo sie sich den Körper mit den Dephinen teilen. 

In anderen Stücken des Stils, sind vorrangig nur Köpfe von Vögeln zu erkennen, die als Greifen mit einem vier- oder zweifüßigen Körper abgebildet werden. 


Vierfüßige tiere11 - Kauernde vierfüßige Tiere sind im Nydam-Stil, 

wie im römischen vorbild, paarweise über den Rand verteilt. Noch spielen sie eher eine untergeordnete Rolle, doch schon bald werden sie die Seewesen nahezu verdrängen.


Menschen- Hier werden selten ganze Körper abgebildet, sodern eher Köpfe, sowie Arme die nicht unbedingt in Zusammenhang oder anatomischen verhältnis zum Kopf stehen. Sondern unabhängig von einander plaziert sind. Die Köpfe werden sowohl im Profil als auch frontal gezeigt. Sie sind bärtig und oft lässt sich eine Kopfbedeckung erahnen.



Verfasst und recherchiert von Rona Skadi

Primär-Quelle: Die gesamte Tierornamentik der Völkerwanderungszeit Band 1 - Günther Haseloff

 
 
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